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IGLU
Andere Begriffe: Schneehaus Cabins Inuit Illu Arktis Eskimos Grönland Kanada Eiskristalle
Unter Iglu versteht man ein Schneehaus. Das Wort "Iglu", häufiger "Illu", bedeutet allgemein "Wohnung" und umfasst Schneehaus, Qarmaq, Zelt u. ä. Als Wohnung hat das Iglu seit den 1950er Jahren ausgedient. Bis auf wenige Ausnahmen leben die Inuit heute in Siedlungshäusern und bei winterlichen Aufenthalten auf dem Land in Holzhütten (sog. "Cabins"). Vermutlich hat sogar weit über die Hälfte der ca. 100.00 in Kanada und Grönland lebenden Inuit noch nie in einem Iglu geschlafen, und ein Iglu kann längst nicht mehr jeder Inuk bauen. Die Inuit nutzen das Iglu heute meist als Schutzhütte, wenn sie, etwa bei einem Jagdausflug, von Wetterumstürzen überrascht werden. Dieser in der Arktis nach wie vor wichtige Zweck ist auch der Grund dafür, dass Iglubauen bis zu einem gewissen Grad auch in der Schule unterrichtet wird. In manchen Siedlungen, z. B. Pond Inlet, wird das Übernachten im Iglu als Touristenattraktion angeboten.
Zu den ältesten bautechnischen Konstruktionen gehört das Kragsteingewölbe. In Zentralafrika wird diese Bauweise an Steinhütten noch heute angewendet, ebenso bei den süditalienischen Trullis Apuliens und den Iglus der Eskimos. Erste Bauten dieser Art auf kreisförmigem Grundriß entstanden bereits in der späten Steinzeit. Das echte Gewölbe fand erst zur Römerzeit stilbildende Anwendung - Radialschichtung mit Keilsteinen auf den Raummittelpunkt bezogen. Weiterentwicklungen sind die Wehrbrücken aus dem 7. bis 3. Jahrhundert v. Chr.
Die in Serie hergestellten Bauelemente werden einer über den anderen gerade soweit vorgeschoben, dass diese nicht nach vorne überkippen, (Auskrage- oder Vorkragtechnik). Der Schwerpunkt des vorstehenden Baublockes befindet sich jeweils noch über dem darüberliegenden Element und ist mitbestimmend für die statische Ausgewogenheit. Ein Umkippen vieler verzahnter Auskragungen ist bei dieser Bauweise unmöglich. Die Überlängen der vorkragenden Baublöcke werden zur Verbesserung der statischen Eigenschaften abgeschrägt. Dadurch erhält die Kragwölbung auf rundem Grundriss die Form eines Hohlkegels.
Zu den elementarsten Bauerfahrungen der Menschheit gehört die Bauweise der Auskragung. Über den historischen Ansatz läßt sich die Suche nach baulichem Fortschritt innerhalb des Entwicklungsprozesses des Kragsteingewölbes hin zum echten Gewölbe nachempfinden. Umsomehr gewinnt der seit Jahrtausenden gebaute Iglu der Eskimos an Bedeutung:
Das Iglu hat riesige Vorteile gegenüber der Zeltunterkunft. Es ist geräumiger, ruhiger und trockener. Es bietet 100%-igen Schutz während eines Sturms.
Im Inneren herrschen für Arktisbewohner durchaus angenehme Wärmeverhältnisse, da der Schnee als guter Warmeisolator wirkt. Als normal gelten Temperaturen um den Gefrierpunkt; auf dem höher als den Eingangsbereich gelegten Schlafplatz werden wegen der nach oben steigenden Warmluft sogar Plusgrade erreicht.
Der Arktisforscher Stefanson berichtete im Jahre 1912, dass es im Iglu bis zu 50 Grad wärmer sein kann als draußen: Bei -46 Grad Aussentemperatur war es -40 Grad beim Eingang, -18 Grad im Kältegraben, -6 Grad auf der Bodenhöhe (Schlafplattform), 4 Grad auf Schulterhöhe, 16 Grad aufDeckenhöhe. Höhere Temperaturen führen allerdings zum Schmelzen des Schnees und durchnässen dann die Bewohner. Ein Iglu ist so komfortabel, dass eine Gruppe ohne weiteres eine Woche darin verbringen kann. Die Eskimos leben zum Teil heute noch in Iglus.
Ein erfahrener Iglubauer errichtet ein Schneehaus bei allen Schneeverhältnissen. Der ideale Schnee ist windgepackt: Wenn Schuhe nur einen flachen Abdruck hinterlassen ist dies der Schnee, den man ohne vorhergehende Aufbereitung gleich verwenden kann. Meistens ist der Schnee jedoch tief und weich, ein scheinbar unmöglicher Baustoff. Doch sogar in hüfttiefem Schnee ist es mit einigen Vorbereitungen möglich, ein Iglu zu bauen: Man tritt zuerst mit den Schneeschuhen ein Gebiet fest, das ein bisschen größer ist als das Iglu selbst. Danach stampf man mit den Füssen oder klopft die Fläche mit einer Schaufel fest. Die oberste Schneeschicht wird sich zwar kaum verfestigen und locker und körnig bleiben. Doch auch diesen Schnee kann man später für etwas anderes gebrauchen.
Der gute Schnee ist unter dieser Schicht. Nun muss man den Schnee etwas liegen lassen. Nach ungefähr 20 Minuten hat man die Eiskristalle, aus denen der Schnee besteht zu einer zusammenhaltenden Masse verfestigt. Ob die oberste Schicht brauchbar ist, hängt von dem Zustand des Schnees und der Temperatur ab. Ist der Schnee besonders schlecht, sucht man mit Vorteil zwei Plätze: einen für den Bauplatz, den anderen um Blöcke zu schneiden. Dieser hat entlang der Schneidefront einen Laufgraben, damit man die Blöcke besser schneiden und lösen kann. Die präparierte Schneefläche wird danach nicht mehr betreten. Die Gewichtskraft des Körpers, welche durch die geringe Fläche der Schuhsohlen auf die Schneeoberfläche wirkt, kann bei den Blöcken eine Rißbildung bewirken, so dass sie beim Herausnehmen auseinanderfallen.
Für ein stabiles Iglu werden Schneeblöcke, die mit einem Schneemesser oder einer Schneesäge in unmittelbarer Nähe des geplanten Bauplatzes aus der Schneedecke ausgeschnitten werden. Sie müssen etwa 40 cm hoch, 60 cm breit, 50 cm tief und zusätzlich abgeschrägt sein, damit die Ringe der Schneeblöcke nach oben immer enger werden und eine Kuppel bilden.
Die erste Blockreihe ist einfach zu bauen. Doch bei den Folgenden fehlt links oder rechts ein
Block, um den neuen Körper anzulehnen. Diesen braucht es in grösserer Höhe, da die Deckfläche bei zunehmender Neigung der Mauer nicht mehr waagrecht geschnitten werden kann. Natürlich ist diese neue Reihe schwieriger zu starten, da die Blöcke jetzt etwa 45 Grad hereinlehnen. Die Lösung ist einfach und gilt gleich für alle folgenden Reihen. Die ober Fläche wird so geschnitten, dass eine Spirale entsteht. Dies muss nicht eine geometrisch perfekte Spirale sein. Eine kurze Rampe, über einen Viertel oder einen Drittel des Umfangs gezogen, genügt. Wichtig ist, dass auf dem Ganzen Umfang nur ein Versatz entsteht. Ist die Spirale errichtet, geht das Bauen ununterbrochen weiter, und nach einigen Reihen bleibt nur noch der Scheitelpunkt offen. Viele Leute denken, dass der letzte Block schwierig zu setzen sei, weil sie ihn mit dem Schlüsselstein bei einer Brücke oder einem Gewölbe vergleichen. Tatsächlich ist es jedoch der einfachste Block und statisch nicht von Bedeutung. Das Schneehaus ist solide mit oder ohne "Schlussstein". Um dieses Loch zu schliessen, schneidet man einen etwas zu grossen Block und legt ih über das Loch. Nun paßt man ihn von innen dem Loch an. So kommt er weiter hinein an seinen Platz, bis er sitzt. Die Arbeit ist fertig, wenn alle offenen Fugen mit Schnee abgedichtet sind.
Der klassische Tunneleingang ist nur bei stürmischem Wetter nötig. Seine Aufgabe ist es, den Schnee vom Kriechgang fernzuhalten. Die einfachste Art einen Eingang zu bauen, ist den Eingangsgraben etwas tiefer zu legen und darüber mit Blöcken ein dachstuhlähnliches Gerippe zu erstellen. Bei breiteren Eingängen muss man einen Drei - Block - Bogen bauen. Grobe, windgepresste Schneekristalle und Eisschnee erodieren die Wände des Iglus. Während eines langen Wintersturms können sich die Blöcke vollständig abbauen. Eine kleine Wand ungefähr einen Meter hoch auf der Windseite, löst dieses Problem. Sie schützt das Iglu; selbst wenn diese Wand erodiert, wird sich dahinter eine Schneedrift aufbauen.
Es gibt zwei grundsätzliche Anordnungen der Schlafplätze. Zuerst die gängigste: Ganzer Raum als Schlafplattform außer beim Eingang, wo ein Kriechgraben unter dem Eingangsblock in den Tunnel führt. Diese Lösung ergibt die grösstmögliche Ausnützung der Grundfläche. Doch kann das Herein- und Hinauskriechen schwierig werden, vor allem , wenn der Eingangsgraben nicht tief genug ist.
Zur anderen möglichen Anordnung: Sie besteht aus zwei Schlafplattformen mit einem verlängerten Eingangsgraben, der sich längs durch das Iglu zieht. Hier ist weniger Raum zum Schlafen vorhanden, man kann dafür sitzen wie auf einem Stuhl, wobei die Füsse aber im Kältegraben stehen. Herein- und Hinauskriechen ist einfacher, es gibt genügend Platz für anderes Material. Bei diesen Iglutypen gibt es keine Probleme mit der Lüftung. Da der Eingang tiefer ist als die Schlafplattform, kann dieser immer offen bleiben, ohne dass dabei Wärme verloren geht. Wird ein Kocher im Iglu benützt ist eine Öffnung in der Decke notwendig. Kocher benötigen viel Sauerstoff und produzieren giftiges Kohlenmonoxid. Kohlenmonoxid ist leichter als die Luft und würde sich in der Kuppe sammeln, anstatt durch den Eingang abzuziehen. In der Nacht genügt eine Kerze für die meisten Tätigkeiten.
Signatur: (JM) Webseite Autor-/in
Eintrag vom: 10.01.2007 15:41:27
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