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JOY-FLEMING
Andere Begriffe: Sängerin Weltstar Erna-Raad Soulinterpretin
Deutschlands berühmteste Bluessängerin ist Joy Fleming, geborene Erna Raad. Sie war die erste deutsche Soulinterpretin von Rang und die erste deutsche Sängerin, der in ihrer Muttersprache Bluestöne gelangen. Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ lobte sie 1975 mit den Worten: „Westdeutschland hat in ihr einen Welt-Star, die Welt hatte nur noch keine Gelegenheit, es zu bemerken“. Weltstars wie Tom Jones, Shirley Bassey und Ella Fitzgerald (1918–1996) bewunderten ihre Musikalität und ihre sensationelle Stimme.
Joy Fleming kam am 15. November 1944 in Rockenhausen (Pfalz) als Tochter eines Kaufmanns und einer Sekretärin zur Welt. Noch im Jahr ihrer Geburt wurde sie nach Mannheim evakuiert und wuchs dort auf. Ihre künstlerische Karriere begann im Alter von 14 Jahren, als sie bei einem Nachwuchswettbewerb mit dem Lied „Ciao ciao bambino“ siegte. Bald danach gab sie ihren Beruf als Verkäuferin im Lebensmitteleinzelhandel auf und sang für 600 Mark Monatsgage in Mannheim Jazz-Evergreens und Blues.
Als 19-Jährige gründete Joy Fleming 1963 in Mannheim ihre erste eigene Band, die anfangs „Joy and the Hitkids“ und später „Joy unlimited“ hieß. Zusammen mit „Joy and the Hitkids“ produzierte sie die Langspielplatte „Overground“ (1969). Ein Fernsehauftritt im „Talentschuppen“ des Südwestfunks (SWF) brachte ihr 1968 den Durchbruch. 1972 trennte sich Joy Fleming von ihrer Gruppe, wurde Solistin und landete mit ihrem „Neckarbrücken-Blues“ im Mannheimer Dialekt einen Superhit.
Bereits damals rühmten Kenner die „mit allen Wassern des Soul und Blues gewaschene Drei-Oktaven-Stimme“ Joy Flemings. Ab 1973 versuchte der Münchener Musikverleger Peter Kirsten, die Pfälzer Sängerin zweisprachig im Rock- und Schlagerbereich aufzubauen. Auf „Mannemer Dreck“ (1972) folgten die Platten „Joy Fleming“ (1973), „Halbblut“ (1973), „Kall, oh Kall“ (1973), „This is my life“ (1974), „Let me be the one“ (1974), „Arbeitslos“ (1975) und „Menschenskind“ (1975).
1975 siegte Joy Fleming in Cannes mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ bei der Vorentscheidung für den „Grand Prix d’Eurovision“, kam aber bei der Endausscheidung in Stockholm nur auf den 17. und somit drittletzten Platz. Kritiker meinten, dieser Schlager habe nicht zu ihr gepasst und schrieben den Misserfolg vor allem der Konzeptionslosigkeit und Ignoranz ihrer damaligen Produzenten zu.
Wenig später erhielt Joy Fleming als „beste Popsängerin“ den „Schallplattenpreis der Deutschen Phono-Akademie“. Außerdem ging sie auf Deutschlandtournee und gewann mit Moritaten ihrer Langspielplatte „Menschenskind“ zwar das Wohlwollen ihrer Fans, nicht jedoch mehr das ihres Produzenten Peter Kirsten zurück. Dieser gab sie später auf und widmete sich ganz der Karriere der dänischen Schlagersängerin Gitte Haenning.
1976 heiratete Joy Fleming den früheren Verkäufer Bernd Liebenow, der ihr Manager wurde. Von da ab lebte die Sängerin auf einem Bauernhof in Sinsheim-Hilsbach zwischen Mannheim und Heilbronn und genoss dort die Ruhe auf dem Land. Trotz weiterer Erfolge – wie dem Song „Ich sing fer’s Finanzamt“ (1977) und der Langspielplatte „I only wanna get up and dance“ (1978), mit der sie als Disco-Queen etabliert werden sollte, – blieb die große Karriere, die ihr einst vorhergesagt wurde, in Deutschland aus.
Im Juli 1978 trat Joy Fleming bei der „Fiesta del Plata“ in Argentinien auf. Bei einer Tournee in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik mit dem Jochen-Brauer-Sextett sang sie 1980 in ausverkauften Sälen und wurde umjubelt. Ihr 1981 erschienenes Album „Vocals and Keyboards“ gilt als Meisterwerk und als eine der ausgereiftesten Gesangs-LP mit Standards in englischer Sprache, die je in Deutschland produziert worden sind, urteilte „das neue rock lexikon“. Es folgten die Titel „Dance Tonight“ (1984), „Zuviel Gefühl“ (1985) und „Don’t You Know“ (1987).
1987 gastierte Joy Fleming in China und in der Sowjetunion. In Skandinavien war sie auf den Hitlisten ganz vorne plaziert. Ihr Titel „Fallerie, Fallera“ – ihre Version eines deutschen Wanderliedes – kam sogar in Kanada und Neuseeland gut an. 1988 spielte sie in der Filmpersiflage „Geierwally“ mit und sang in diesem Streifen das Lied „The Yodel Queen“. Im selben Jahr kamen auch ihre Titel „Gypsyland“ und „Butzekrampel“ heraus.
Anfang der 1990-er Jahre gründete Joy Fleming die Plattenfirma „Rö-Mo Records“ und den Musikverlag „Rött’l Mouse“ sowie die Musikgruppe „United Wanderers“. Mit der neuen Gruppe trat Joy in Lederhosen auf, und ihr Mann wirkte als verkleideter Wikinger mit. 1991 kam ihr Titel „Feuer und Flamme“ auf dem Markt.
Nach dem Erscheinen von Joy Flemings Langspielplatte „Sentimental Journey“ (1993) lobte die „Saarbrücker Zeitung“ ihre Stimme als eine der besten in Deutschland. Danach kamen die Titel „How High The Moon“ (1993), „Berühre mich“ (1994) – der „Deutschen Aids-Hilfe“ gewidmet –, „Raff dich auf“ (1994) und die Langspielplatten „Viele Gesichter“ (1994) sowie „Gedanken einer Frau“ (1998) auf den Markt. Ebenfalls 1998 ging für die Blues- und Soulsängerin ein seit 25 Jahren gehegter musikalischer Wunsch in Erfüllung: Sie produzierte ihre erste Volksmusik-CD.
Aus der ersten Ehe von Joy Fleming, nach der sie den Familiennamen Strube trug, stammen der Sohn Sven und die Tochter Heidrun. Aus der zweiten Ehe mit Bernd Liebenow gingen die Söhne Bernd und Rainer hervor. Danach wurde der französische Komponist, Arrangeur und Musiker Bruno Masselow, den sie bei der Produktion einer CD kennen lernte, Joy Flemings neuer Lebensgefährte.
Die erfolgreiche Sängerin engagiert sich seit vielen Jahren für krebskranke Kinder und hat ein großes Herz für Tiere. Zu Joy Flemings Haushalt gehören drei Hunde, drei Papageien, von denen einer spricht und singt, ein Wellensittich und fünf Katzen. Alle Menschen, die je mit ihr zu tun hatten, rühmen ihre Zugänglichkeit, Ehrlichkeit und Freundlichkeit – alles Eigenschaften, die man den Mannheimern generell nachsagt.
Signatur: (EP) Webseite Autor-/in
Eintrag vom: 06.12.2006 20:14:30
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